Lerngeschichten

Waldemar im Wattenmeer (Lerngeschichte zu Ebbe, Flut und Wattwurm für Kinder)

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Die kleine Prinzessin Blaublüte macht Urlaub. Denn es ist Sommer und da hatte sie sich eines Morgens überlegt, das Meer zu besuchen, von dem ihr die Möwe Mia neulich erzählt hat. Mia sagte, dass das Meer so schön rauscht und tolle Wellen zaubern kann. Und außerdem könnte man am Strand der Nordsee hübsche Muscheln finden und der Wind riecht immer salzig und ganz anders als auf der grünen Wiese hinter dem gelben Haus; dort wo Prinzessin Blaublüte wohnt. Ja, das wäre ganz wunderbar, dachte sie sich. Also packte Blaublüte ein paar wichtige Dinge, die sie immer auf ihre Reisen mitnimmt, in ihren klitzekleinen Koffer: Zahnbürste, Schlafanzug, Badesachen und Gummistiefel.

Mit Möwe Mia

Und weil die kleine Prinzessin viel zu klein für einen großen Zug war, und die Reise auf dem Blütenfahrrad viel zu lange dauern würde, bot die Möwe Mia kurzerhand an, sie zu fliegen. Im Nullkommanichts flogen Blaublüte und Mia über die Landschaft, alle Bäume und Häuser sahen so klein wie Spielzeuge aus – und es war der spannendste Flug, den die Prinzessin je erlebt hatte. Ehe sie sich versah, landete Mia und sagte: „Wir sind da!“
Aber was war das? Hier gab es überhaupt kein Meer, keine Nordsee, keinen Strand. Hier gab es nur ganz viel Matsch. Mia musste sich wohl verflogen haben.

„Mia, bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte Prinzessin Blaublüte.
„Ja, natürlich! Das ist doch mein Zuhause!“, antwortete Mia.

Prinzessin Blaublüte schaute sich um. Bis auf ein paar Pfützen im braunen Matsch sah sie nichts. Weit und breit nicht. Aber die Luft, die roch wirklich salzig – und sehr frisch.

Wattenmeer?

„Hier ist doch gar nichts außer Matsch!“, sagte Blaublüte ein wenig enttäuscht.
„Ha! Das denkst du!“, rief Mia, die schon wieder in den Himmel gestartet war und auf ein paar Windböen segelte. „Du spazierst gerade auf dem Meeresboden herum. Das hier ist das Wattenmeer. Und du wirst staunen, was du hier so alles finden kannst!“

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Und damit flog Mia weit hinaus über das Wattenmeer und Prinzessin Blaublüte erkannte sie nur noch als kleinen Punkt am Horizont.
Blaublüte merkte erst jetzt, dass ihre Füße ein wenig im Boden eingesunken waren. Und nass wurden sie auch. Schnell kramte sie ihre Gummistiefel aus dem Koffer und zog sie an. Dann lief sie ein bisschen im Watt herum und machte platschende Geräusche mit ihren Stiefeln. Das hörte sich wirklich sehr lustig an. Und dann entdeckte Blaublüte etwas, das wie ein Häufchen Spaghetti aussah.

Braune Spaghettihäufchen

„Was macht denn ein braunes Spaghettihäufchen auf dem Meeresgrund? Und wo ist denn das viele Wasser hin? Das kann doch nicht einfach weg sein?“, fragte sich Blaublüte.
Da war noch ein Häufchen. Und noch eins. Je mehr Blaublüte über das Watt sah, desto mehr Häufchen entdeckte sie. Und eins bewegte sich sogar! Da musste sie aber sofort nachschauen, was das war. Also platschte sie mit ihren Stiefeln durch den schlammigen Boden und sah gerade noch eine rosafarbene Schwanzspitze im Schlick verschwinden.

„Hallo! Wer bist du denn? Halt doch mal an!“, rief die kleine Prinzessin und plötzlich schaute ein kleiner Kopf aus dem Boden.
„Huch, hallo!“, sagte Waldemar, der Wattwurm. „Ich bin Waldemar und ich wohne hier unter dem Sand.“
„Guten Tag, Waldemar! Ich bin Prinzessin Blaublüte“, sagte sie. „Eigentlich wollte ich an die Nordsee, und mir das Meer anschauen, aber hier bin ich wohl falsch. Hier gibt es nur diese Spaghettihäufchen. Und jetzt bin ich ein bisschen enttäuscht. Weißt du, wo es zum Meer geht?“

Da musste Waldemar sehr lachen.
„Na hör mal!“, grinste er „du stehst doch mitten in der Nordsee!“
„Ja, das hat Mia auch schon gesagt, aber das kann doch gar nicht sein!“, schmollte Blaublüte ein bisschen.
„Weißt du, das ist so.“, und dann erklärte Waldemar der kleinen Prinzessin, warum sie gerade kein Meer sehen konnte.

Die Sache mit Ebbe und Flut

„Hier bei uns an der Nordsee gibt es Ebbe und Flut. Das nennt man die Gezeiten. Bei Ebbe zieht sich das Wasser ein Stück von der Küste zurück und dann kannst du über den Meeresgrund laufen. Danach steigt das Wasser wieder und kommt zurück. Wenn es die Küste wieder erreicht hat, nennt man das Flut. Hier, wo du gerade stehst, ist dann alles über und über mit salzigem Meerwasser bedeckt. Schau mal auf die Pfütze dort hinten! Da ist schon viel mehr Wasser drin als noch vor zehn Minuten.“
„Ist das wirklich wahr?“, staunte Blaublüte.
„Oh ja, na klar! Und wenn die Flut kommt, siehst du auch meine wunderschönen Häufchen nicht mehr!“, sagte Waldemar, der Wattwurm.

„Das sind DEINE Häufchen?“, fragte die Prinzessin.
„Ähm, ja…“, erwiderte Waldemar und wurde ein bisschen rot. „Ich grabe den Boden hier um, und das kann ich sehr gut, denn ich bin viel länger und dicker als ein Regenwurm. Ich habe sogar Kiemen auf dem Rücken, mit denen ich wie ein Fisch atmen kann. Ich esse ganz ganz ganz kleine Tierchen und Pflanzenteile, die im Sand sind. Und weil ich kein Sieb habe, esse ich den Sand eben mit. Aber der muss dann auch wieder raus… und das sind dann die kleinen Spaghettihäufchen, die du hier siehst. Alles reinster Sand, den ich ganz sauber gemacht habe.“

„Potzblitz!“, staunte Blaublüte.
„Aber jetzt musst du schnell zurück an den Strand, denn die Flut kommt schneller als man denkt. Hier geht’s lang!“, und Waldemar zeigte Blaublüte die Richtung.
„Vielen Dank, Waldemar!“, winkte die Prinzessin zum Abschied. „Ich hoffe, wir sehen uns in den nächsten Tagen noch einmal wieder!“
„Ja, gerne!“, sagte Waldemar und mampfte eine große Portion Sand. „Aufff Wiederffffehen!“

Endlich am Strand

Als Prinzessin Blaublüte schon eine Weile im warmen, trockenen Sand am Strand sitzt, sieht sie das Meer immer höher und höher steigen. Es hat schon alle Spaghettihäufchen von Waldemar überspült. Und es rauscht wirklich ganz wundervoll. Genau so wie Mia es ihr gesagt hatte. Das wird bestimmt ein toller Urlaub. Und morgen, wenn wieder Ebbe ist, wird sie Waldemar den Wattwurm im Wattenmeer besuchen und ihm erzählen, wie schön sich das Meeresrauschen anhört.

(Text & Bild (c) Hallo liebe Wolke)


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