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Stella ist still – Eine Geschichte für Kinder. Und die, die es geblieben sind. (free eBook)

Stella ist still Geschichte für Kinder Hallo liebe Wolke

Am Südpol, dort wo es immer kalt ist und das ganze Jahr lang Schnee liegt, wohnen die Pinguine. Ihnen macht die Kälte gar nichts aus, sie leben sehr gern dort, denn Pinguine finden es klasse, durch den Schnee zu watscheln und auf dem Bauch über das Eis zu rutschen. Und noch viel mehr mögen sie, im eiskalten Wasser zu schwimmen und zu tauchen. Pinguine sind nämlich wahnsinnig gute Schwimmer. Das sollte man gar nicht meinen, denn sie sind doch Vögel. Aber soll ich euch was sagen? Obwohl Pinguine Federn haben, und Flügel, können sie nicht fliegen, nicht mal ein klitzekleines Bisschen.

Stella ist still - Cover - Hallo liebe Wolke

(c) Susanne Bohne

Mitten in einer riesig großen Pinguinfamilie, die man Kolonie nennt, lebt Stella. Stella ist ein kleines Pinguinmädchen, wie es ziemlich viele am Südpol gibt. Eigentlich, das wisst ihr ja bestimmt, sind Pinguine alle schwarz und weiß und haben einen Schnabel und ein kleines Schwänzchen, mit dem sie lustig wackeln können. Und kalt ist ihnen auch nie, selbst der dickste Schneesturm macht ihnen nichts aus. Sie sind außerdem ziemlich gesellig und unterhalten sich den ganzen Tag. Manchmal sehr laut. Sie zwitschern auch nicht, wie andere Vögel, sie tröten eher. Und das hört sich ein wenig so wie das „I-A“ eines Esels an. Pinguine sind schon lustige Vögel.

Stella aber, ja, das kleine Pinguinmädchen Stella, das friert immer. Deswegen trägt es eine Mütze und einen warmen Pullover. Damit kann Stella natürlich nicht schwimmen, denn sie bräuchte ja ihre Flügel unter Wasser, um Anschwung zu geben, aber sie bleibt sowieso lieber an Land. Und es gibt noch etwas, das Stella anders als die anderen macht: Sie unterhält sich nicht gern. Jedenfalls nicht so gern wie die anderen Pinguine, die in einer Tour schnabbeln und tröten. Stella steht lieber nur da und schaut sich ihre Familie an, beobachtet, was die anderen tun und findet es nicht schlimm, ein bisschen still zu sein.
Stella mag das. Sie muss nicht viel reden, um glücklich zu sein.

Nur die anderen Pinguine ihrer Kolonie, die finden Stella ein bisschen merkwürdig. Manchmal tuscheln sie über Stella und darüber, dass sie einen Wollpullover trägt und nie etwas sagt. Das ist schon sehr seltsam, finden die Pinguine. Stella sieht manchmal, wie sich die anderen heimlich über sie unterhalten und über sie kichern, denn sie beobachtet ja viel.
Und es macht Stella sehr traurig. Sie ist doch kein besserer oder schlechterer Pinguin, nur weil sie ein bisschen leiser ist und friert! Nein, das kann Stella nicht verstehen. Sie hatte es ja schon mal probiert, sich mehr zu unterhalten, aber ihr ist nie etwas wirklich Wichtiges eingefallen, so wie den anderen andauernd. Und überhaupt hatte es ihr keinen Spaß gemacht.
„Es ist schon sehr blöd“, denkt sich Stella, „dass mich meine Kolonie nicht mag, vielleicht sollte ich besser allein leben, ohne die anderen, die mich alle doof finden. Bloß, weil ich so ruhig bin.“

Sie watschelt ein paar Schritte in die weiße Südpollandschaft und ist sehr traurig. Ein paar runde, dicke, Pinguintränen kullern in das Eisloch, vor dem Stella gerade steht und sie überlegt, ob sie nicht einfach davonschwimmen soll. Sicher würde es keiner bemerken. Und dann würden sie endlich nicht mehr über Stella lachen und sie seltsam finden.

Plötzlich bewegt sich das Wasser vor ihr und ein riesig großer Schatten erscheint. Stellas Herz beginnt ganz fest zu schlagen. Doch bevor sie weglaufen kann (was bei einem Pinguin ja sowieso ziemlich langsam geht), taucht ein großer, grauer Kopf aus dem Wasser und pustet mit lautem Getöse einen Schwall Luft in den Himmel.

„Wow!“, denkt Stella.
„Hallo!“, sagt Trudi.

Trudi ist ein ziemlich riesiges Tier, das größte, das es auf dieser Welt gibt: Trudi ist ein Wal.

„Hallo, ich bin Stella! Bitte tu mir nichts, du großer Fisch!“, ruft Stella zu Trudi hinauf und hofft, dass sie sie verstanden hat. Schließlich ist Stella sehr ungeübt im lauten Sprechen.
Trudi lacht.
„Keine Angst!“, kichert Trudi, „ich bin nicht gefährlich. Und ein Fisch, das bin ich schon gar nicht!“
„Du bist kein Fisch?“, fragt Stella ungläubig „Du siehst aber wie einer aus!“
Naja, nur weil ich wie einer aussehe, heißt das noch lange nicht, dass ich auch einer bin, oder?“, antwortet Trudi und Stella findet, dass Trudi recht hat, „Warum bist du denn so traurig?“
Und da erzählt Stella alles, was mit ihr und der Kolonie so los ist. Und es ist ja eine Menge los, nur halt nicht bei ihr. Weil sie immer so still ist und friert. Und dass die anderen das nicht verstehen könnten und Stella immer auslachen. Dabei mag sie ihre Kolonie doch. Sehr sogar.

Trudi nickt verständnisvoll und sagt dann: „Weißt du wie wir Wale uns unterhalten? Wir singen. Wir singen sogar ganz wunderschön. Soll ich es dir mal zeigen?“
Mit angehaltenem Atem lauscht Stella Trudis Walgesang. So etwas Schönes hat sie wirklich noch nie gehört. Dass so ein großes Tier so leise singen kann, findet Stella beeindruckend.
Als Trudi wieder auftaucht, erklärt sie: „Hör mal, Stella, die anderen denken vielleicht, du willst nicht mit ihnen reden, weil du sie nicht magst. Sie können ja nicht wissen, dass du einfach nur ruhig und still bist. Von mir denken ja auch ständig alle, dass ich ein Fisch bin. Stimmt aber nicht, und dann erkläre ich einfach, dass ich zuallererst mal Trudi bin und außerdem ein Säugetier. Und du, du bist zuallererst Stella, der Pinguin mit dem Wollpullover. Und du bist ein bisschen stiller. Na und? Jeder ist so, wie er eben ist.
Jetzt muss ich aber los. Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder!“

Und mit einem leisen Platsch ist Trudi verschwunden und mit ihr Stellas Traurigkeit. Denn Trudi hat ja recht: Jeder ist so, wie er eben ist! Auch die stille Stella.
Auf dem Rückweg zu ihrer Pinguinkolonie fängt Stella an zu summen, sie hat von Trudis Lied einen mächtig großen Ohrwurm. Aus dem Summen wird ein Trällern. Bald danach wird aus dem Trällern ein richtiges Lied. Und soll ich euch etwas verraten? Stella hat eine außergewöhnlich schöne Stimme. Für einen Pinguin jedenfalls. Sie merkt gar nicht, dass immer mehr Pinguine verwundert aufgehört haben, sich zu unterhalten und ihrem Gesang lauschen. Die ganze Kolonie ist plötzlich still. Nur Stella nicht. Die singt und singt auf wunderbare Pinguinart und alle hören ihr zu.
Als Stella den letzten Ton gesungen hat, applaudieren alle.

„Mensch, Stella! Du kannst ja toll singen!“, rufen einige.
„Das hättest du uns ja schon früher mal sagen können, aber du redest ja nie mit uns, weil du uns nicht leiden kannst.“, sagen andere ein bisschen beleidigt.
Und Stella, die freut sich und strahlt und sagt: „Ich kann euch wahnsinnig gut leiden! Ich bin nur lieber meistens still und unterhalte mich nicht so gern. Aber singen, das werde ich von jetzt an öfter. Und das ganz laut. Und mit euch zusammen. Wenn ihr wollt!“

Und alle wollen.

Seitdem schaut niemand mehr Stella seltsam an, weil sie ruhiger ist als alle anderen. Häufig kuscheln sich einige Pinguine mit Stella ganz leise zusammen, um sie zu wärmen. Denn dann friert man nicht mehr und das macht viel wärmer als jeder Wollpullover, den je ein Pinguin getragen hat.

Und morgen, denkt sich Stella, gleich morgen mache ich mich auf den Weg, um zu sehen, was hinter dem großen Eisberg da drüben liegt. Das wollte ich nämlich schon immer wissen. Mit einem Pinguinlächeln schläft Stella ein und sie weiß zwar noch nicht, was hinter dem Eisberg liegt, aber eins weiß sie bestimmt: Jeder ist so, wie er eben ist. Und das ist gut so.

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