Mamasein

mødes igen (Oder: Hyggeliges Auf Wiedersehen!)

Hallo liebe Wolke,
weißt du, wer glücklich ist?
Die Dänen. Hat man herausgefunden. Und wer in seinem Sprachschatz ein „Hygge“ liegen hat, der kann ja gar nicht anders, der muss quasi glücklich sein. Auch, weil es sich schon ziemlich gemütlich anhört, „hyggelig“ nur auszusprechen. Aber auch die Dänen müssen ihre Gemütlichkeit erst lernen, habe ich gelesen. Und da habe ich mit den Dänen etwas gemeinsam.
Auf Wiedersehen Stress, Hallo Hygge!

Mach mal langsam!

Jahresendegedanken haben immer auch etwas mit Zurückschauen, mit Reflexion, zu tun – und ich bin mir sicher, dass das Betrachten des eigenen Lebens, oder seiner Gedanken, auch im Juni oder April nicht verkehrt ist. Das ist ein bisschen so, wie eine Zeitung aufzuschlagen und die Nase reinzustecken, dann nicht nur die Überschriften zu lesen, sondern auch die ganz kleinen Kolumnen an den äußersten Seiten, damit man sich ein bisschen informiert. Über sich selbst.
Egal wann ich meine Zeitung im Jahr 2018 aufgeschlug, immer stand darin: Mach mal langsam! Das Jahr 2018 hat mich gezwungen, zwei bis zweieinhalb Gänge runterzuschalten.

Hygge, Hektik, Huch

Das ist nicht immer so einfach, leicht auch nicht. Mein kleines Leben wurde dieses Jahr fünf Jahre alt, noch einmal schlafen, dann wird sie eingeschult. Das ist alles aufregend, so wie immer alles sehr aufregend mit einem Kind ist. Auch, weil man als Mama immer alles so verdammt richtig machen will. Was leider nicht funktioniert. Oder Gott sei Dank nicht. Trotzdem tragen diese Gedanken nicht unbedingt zur „Hyggeligkeit“ bei, das macht statt Hygge manchmal Hektik, Stress und Tränen. Beiderseits. Weil der Alltag eben Alltag ist. Und im Alltag sind nicht nur glitzernde Sternstunden Zuhause, sondern auch Probleme.
Bei vielen denkt man sich hinterher: Huch! Warum hast du dich bloß wegen solcher Kleinigkeiten so sehr gestresst? Doof, das.

Drei Bücher

2018 habe ich sagenhafte drei Bücher gelesen. Keine Kinderbücher, sondern Bücher für die Großen. Früher hätte ich drei Bücher an einem verregneten Wochenende gelesen, mit Wolldecke und Kuschelsocken, mit Tee und Keksen. Heute brauche ich eben ein ganzes Jahr dafür, weil mir die Augen schon meist beim Anblick meines Betts zufallen. Und wenn ich dann noch darüber nachdenke, dass ich eigentlich eher die Wäscheberge bezwingen müsste, statt mich in ein Buch fallen zu lassen, dann ist es mit dem Spaß an Hygge komplett vorbei.
In diesem Jahr habe ich gelernt, mich zur Ruhe zu zwingen. Und das ist ein ganz guter Zwang, finde ich.

Sieben Bücher Liebe

Sieben Bücher habe ich dieses Jahr mit dem kleinen Wurm Wilma veröffentlicht – und das ist eine tolle Zahl. Vielleicht wird die Zahl Sieben ja nun meine Lieblingszahl, auch weil ich noch keine Lieblingszahl hatte. Bisher.
Weil: Die Wilma Wochenwurm Bücher zu schreiben und ein bisschen dafür zu kritzeln und nachts die stille Ruhe meiner Wohnung zu genießen, das war sehr Hygge. Das war vielleicht weniger Gemütlichkeit, als das, was mich wirklich glücklich macht.

Meine Tochter erzählt immer ganz stolz: „Meine Mama ist Kin-der-buch-au-to-rin!“, was ja eigentlich nur am Rande wahr ist, mich aber dafür ebenfalls sehr stolz macht. Denn im Grunde, unterm Strich, am Ende des Tages, zählt für mich das, was mein kleines Leben stolz macht. Das, was sie glücklich macht. Das, was ihr persönliches Hygge ist. Und wenn ich es schaffe, dass nicht nur ich, sondern vor allem meine Tochter zufrieden und glücklich ist, dann ist das nicht nur ein großes Geschenk, sondern auch etwas, das ich als Liebe bezeichne.

So lang man Träume noch leben kann

2018 war aufregend. Mindestens ab Mitte des Jahres war es verdammt aufregend. Und es hat sich sehr gelohnt, sich aufzuregen, schlaflose Nächte zu haben, meine Nase noch tiefer in meine persönliche Gedankenzeitung zu stecken.
Heute Nacht hatte ich einen Ohrwurm und ich weiß nicht, warum ich mich ausgerechnet an dieses Lied erinnert habe, das meine Mutter oft hörte, als ich noch klein war.
Münchner Freiheit, 1988, So lang man Träume noch leben kann.
Darin heißt es:
Das große Ziel war viel zu weit
Für uns’re Träume zu wenig Zeit
Du weißt genau, daß irgendwann
Einmal ein Wunder geschehen kann
Versuchen wir es wieder
So lang‘ man Träume noch leben kann“

(Songwriter: Stefan Zauner / Aron StrobelSongtext von Solang‘ man Träume noch leben kann © Sony/ATV Music Publishing LLC)

Steine, Felsen, klettern

Fast am Ende diesen Jahres ist ein Wunder geschehen. Es ist vielleicht auch deshalb geschehen, weil ich nie aufgehört habe, an meine Träume zu glauben. Das war bis jetzt die größte Aufgabe meines Lebens, weil es viele Steine (Felsbrocken) gab, über die ich klettern musste. Weil ich manchmal dachte, ich schaffe es nicht mehr, das Klettern. Ich gebe auf, an das zu glauben, was ich mir wünsche.
Und ein Glück, habe ich immer weitergemacht, auch wenn es schwer fiel und mich 2018 zur Ruhe gezwungen hat, weil es sonst mit dem ganzen Klettern sehr schwierig geworden wäre.
Bald werde ich von meinem persönlichen Wunder berichten dürfen.

Gib nicht auf!

Wenn ich meinem kleinen Leben eins für 2019 und für den Rest ihres Lebens wünschen dürfte, dann, dass sie niemals aufgeben darf, für das, was in ihrem Herzen ist, zu kämpfen. An dem festzuhalten, an das man glaubt, egal unter welchen Umständen, ist das, was man sich immer anschauen sollte. Es macht Mut. Es macht das Leben aus. Es sind Ziele, die man mit Hygge erreicht. Und mit Liebe.

Weißt du, wer glücklich ist, liebe Wolke?
Die Dänen. Und ich.

Dass ich das eines Tages sagen würde, meine Wolke, ist ein zweites Wunder. Ganz ehrlich, daran habe ich nämlich fast nicht mehr geglaubt.
2019 wird ein nicht weniger aufregendes und anstrengendes Jahr als 2018. Es wird Steine geben, über die zu klettern sind. Es wird Tränen geben, es wird geschimpft, es wird geseufzt. Ich werde mein kleines Leben trösten müssen, und manchmal mich selbst.

Aber: 2019 wird noch mehr gelacht, noch mehr Quatsch gemacht, noch mehr geküsst und noch mehr geherzt. Es wird noch mehr geliebt. Und das, meine liebe Wolke, das ist, was diese, meine kleine Welt überdauern wird. Egal, welches Jahr wir schreiben werden.

Auf ein glücklich-gesundes-wundersames-hyggeliges Jahr 2019!


Magst du den Beitrag teilen?