Mamasein

Menstruier mal wieder!

Hallo liebe Wolke,
kennst du „Ben und Hollys kleines Königreich“?
Das ist eine lustige Zeichentrickserie, eine der wenigen, die ich wirklich amüsant finde, mit Holly, der Fee und Ben, dem Elf. Ben – sowie auch alle anderen Elfen – trägt immer ein Horn mit sich und trötet laut hinein, wenn er sagt: „Ich bin Ben. Und ich bin ein Elf (tröööt)“.
Den bellenden Marienkäfer Gaston finde ich übrigens auch sehr ulkig.
Auf Twitter, so erzählte mir eine Freundin (denn ich bin dort zwar angemeldet, glänze aber mit Abwesenheit), wird momentan ein kontroverses Thema diskutiert: Menstruation.
Ich bin Susanne. Ich bin betroffen. Denn ich bin eine Frau. (Tröööt)

Die größte WhatsApp Gruppe der Welt

Und also hab ich mir gestern Abend im Bett mal wieder Twitter zu Gemüte geführt, das mir persönlich ja immer wie eine überdimensionale WhatsApp-Gruppe vorkommt. Ich hätte wahrscheinlich bis heute früh noch weiterlesen können, wenn ich nicht nach 15 Minuten mit einem leichten Kopfschütteln mein Smartphone beiseite gelegt und mich ins Kissen gekuschelt hätte. Die Männer entweder so: „Ihhh, äääh, würg!“ oder „Ihr macht das so klasse, Hut ab!“ und die Frauen so: „Was für eine monatliche Qual!“ und „Ich will Verständnis!“ oder „Ich bin eine Frau. Tröööt!“
Überspitzt gesagt.

Erdbeereis mit Sahne

Nun gehöre ich selbst seit ungefähr 28 Jahren der Zielgruppe der Menstruierenden an. Ich finde, es gibt tollere Dinge als Stimmungsschwankungen und Bauchkrämpfe und Blut im Allgemeinen: Wellnessurlaub, zum Beispiel. Oder einen Erdbeereisbecher mit Sahne. Oder in einer Augustnacht Sternschnuppen zählen. Aber, hey, so ist das Leben. Tröööt.
Man möchte gern glauben (also ich hatte das bisher zumindest angenommen), dass etwas, das eben zum Frau sein gehört, etwas völlig normales ist. Aber vielleicht bewegte ich mich bisher in Kreisen, in denen Männer nicht die Nase rümpfen und vor einer blutenden Frau so schnell Reißaus nehmen, dass sich Usain Bolt eine Scheibe von ihnen abschneiden könnte. Und Frauen zwar mal sagen: „Mist, mir geht’s heute nicht so gut, aber kenne ich ja schon von den letzten hundert Malen!“, und sich nicht wie das Leiden Christi mit der Wärmflasche und Schmerzmitteln ans Bett nageln.

Schöne Bescherung

Man möge mich nicht falsch verstehen; ich kenne Schmerzen. Ich hab da seit Jahren diese weniger lustige Krankheit, die sich Endometriose nennt und die dafür sorgen kann, dass aus einer Periode eine schöne Bescherung wird. Und jeder, der in den Genuss von Geburtswehen gekommen ist, wird wissen, was Höllenqualen sind. Es ist bedauerlich, dass es Frauen (tröööt) gibt, die monatlich leiden, es ist bedauerlich, dass es Männer gibt, die denken, dass sich die Damenwelt alle 28 Tage in eine Horde Zombies verwandelt – aber, wirklich, man kann es auch maßlos übertreiben. Wie immer.

Spiegelt diese Twitterdiskussion nicht unsere Gesellschaft wider, in der Frauen (tröööt) um Gleichberechtigung kämpfen, immer noch, und um Anerkennung? Um ein „über den Kopf streicheln“, weil es einem nicht so ganz gut geht, ab und zu? Um Verständnis kämpfen – und das mit allen Mitteln einzufordern versuchen? Zur Not eben auch mit Menstruationstassen und langatmigen Ausführungen über körperliche Beschwerden?

Aufklärung für Anfänger

Ich dachte bisher eigentlich, wir wären aufgeklärt – das mit dem Denken sollte ich überdenken. Glaube ich. Wir leben in einer Zeit, in der sich alle über alles öffentlich aufregen können, Intimstes platt treten können bis nichts mehr davon zu sehen ist. Dass es da draußen irgendwelche Honks gibt, die die Natürlichkeit des Frauenkörpers ekelhaft finden, ist sehr bedenklich. Es ist wahnsinnig traurig, dass es Frauen gibt, die sich für sich schämen.
Als ich 14 war, war es mir auch etwas peinlich, Tampons zu besorgen. Das gebe ich zu. Und ich habe auch öfter Mal ein bisschen kokettiert, dass ich dieses oder jenes gerade nicht könnte, weil ich meine Tage habe. Das geht schon klar, dafür ist man ja auch eine Frau. Tröööt.
Und es gibt Tage, von den Tagen, da fühlt man sich beschissen und darf es auch sagen, das ist ja nichts verwerfliches.

Ich wünschte nur, die Gesellschaft könnte mit dieser Art von Themen besser umgehen, als um die heilige Kuh zu tanzen und sich von den Unberührbaren bloß fern zu halten. Wir leben schließlich nicht in einem abgeschiedenen indischen Bergdorf, in dem man wahrscheinlich von Aufklärung und Gleichberechtigung noch nicht so viel gehört hat. Und Twitter gibt’s da vermutlich auch nicht.
Die gute Nachricht ist: Irgendwann ist das vorbei, mit dem Menstruieren. Dann können wir uns alle eine Weile über das Klimakterium aufregen und dann die Radieschen von unten betrachten. Mal sehen, was uns dann einfällt, worüber wir twittern können.
Die schlechte Nachricht: Solange es nicht in allen menschlichen Köpfen angekommen ist, was normal und natürlich ist, was Gleichberechtigung, Empathie und ein liebevoller Umgang (vor allem mit sich selbst) bedeutet – solange werden wir vermutlich hin und wieder immer noch im Mittelalter leben. Und Diskussion führen, von denen ich glaubte, sie müssten nicht mehr geführt werden.
Ich hoffe nur, dass unsere Kinder eines Tages besser damit umgehen als wir es offensichtlich tun.

Wie auch immer, meine liebe Wolke.
Weißt Du, was ich gerne bin?
Eine Frau.

Tröööt!

Bis bald, meine Wolke!

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