Kinderfilme sind nichts für Kinder!

Hallo liebe Wolke,
hast du eine Mama?
Obwohl ich ja weiß, wie Wolken entstehen, stelle ich mir trotzdem vor, dass du eine Mama hast. Eine Mama, die du ab und zu besuchen fliegst, mit der du Kaffee trinkst, mit der du telefonierst und lachst. Eine Mama, die dir vielleicht hin und wieder die Leviten liest, weil das der Job von Mamas ist – und die dir sagt, dass sie dich lieb hat. Oder die sogar stolz auf dich ist.

Muttertag

Heute ist Muttertag. Und vielleicht fliegst du also heute zu deiner Mama, falls du eine hast, und bringst ihr einen Blumenstrauß oder einen Regenbogen – oder das, was Wolken ihren Müttern eben so mitbringen, am Muttertag.
Gut ist, wenn man eine Mutter hat.
In den allermeisten Fällen jedenfalls. Noch besser ist es natürlich, wenn man Eltern hat, ich will ja die Papas nicht immer unter den Tisch fallen lassen, bloß, weil ich alleinerziehend bin.
Deswegen: Gut ist, wenn man eine Mama und/oder einen Papa hat.
Was allerdings, erschreckenderweise, weniger gut ist: In jedem zweiten Märchen, in nahezu jeder cineastischen Disney-Verfilmung, in so gut wie jedem Kinderfilm passiert etwas äußerst Schreckliches. Da stirbt Mama. Oder Papa. Oder da sterben gar beide.

Das Bambi-Trauma.

Es ist schon klar, dass es in jedem Film ein bisschen Spannung geben muss. Was wären Schneewittchen oder Aschenputtel ohne ihre garstigen Stiefmütter? Damit sie, diese hexenartigen Wesen auf den Plan treten können, müssen die liebreizenden Mütter selbstverständlich von der Bildfläche verschwinden, das ist quasi so etwas wie ein Filmgesetz. Ist logisch. Man hätte ja schlecht die wunderschöne Königsmutter drei Wochen auf Kur schicken können, damit die Hexe Zeit zur Umsetzung ihrer teuflischen Pläne hat.

Elsa wäre nie Eiskönigin geworden, wenn die Eltern nicht über den Jordan geschippert wären. Und wer weiß, was aus Nemo, Arielle oder Bambi geworden wäre, wenn sie nicht als (Halb-)Waisen auf die Bühne – und damit in so manche Alpträume der Kinder – getreten wären. (?)
(An Bambi darf ich heute noch nicht denken, weil es mir dann die Kehle zuschnürt. Nebenbei bemerkt.)

Hallo liebe Wolke_Susanne Bohne_Mamablog_Autorin

Traurig, traurig – Happy End.

Mein kleines Leben hat vor nicht allzu langer Zeit den Film „Arlo und Spot“ gesehen. Kurz nach Beginn verliert Papa Dinosaurier sein Leben bei einem tragischen Unfall. Danach musste ich erst ausschalten und dann meine Tochter eine Dreiviertelstunde lang trösten. Auch, wenn man die Botschaft – dass man auch allein mit dem Tyrannosaurus Rex aka „Leben“ zurecht kommen kann, dass man hinterher stolz ist, dass man seine Mission erfolgreich geschafft hat – durchschaut, ist es für ein Kind manchmal relativ grenzwertig, mit dieser Erfahrung umzugehen: Mama und Papa sind doch nicht unsterblich. Und das ist ja das, was ein Kind sehr lange Zeit glaubt. Gott sei Dank.

Das Traurigste für ein Kind ist wohl, wenn Mama (oder Papa. Oder gar beide, nicht auszudenken!) stirbt. Und alles, was danach im Film (!) passiert, ist etwas Gutes, vielleicht noch mit kleinen Stolperfallen gespickt, aber am Ende wird es eben doch wunderschön, wunderbar und das tollste Happy End wartet mit ausgebreiteten Armen. Auf Kosten der armen, verstorbenen Mama.

Keine Auferstehung

Es gibt keine Auferstehung. Weder im Kinderfilm, noch in der echten Welt.
Ich reite selten auf dem Thema, das nun mal das Thema ist, das mich tagtäglich, rund um die Uhr, begleitet, herum. Aber als alleinerziehende Mutter sind mir solche Filme mittlerweile ein Graus. Furchtbar, schrecklich. (Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur Alleinerziehenden so geht!)
Mamas größte Angst ist doch, eines Tages nicht mehr für ihr Kind/ihre Kinder sorgen zu können. Aus welchen Gründen auch immer. Und dann sehe ich Bambi vor meinem inneren Auge traumatisiert durch den idyllischen Wald springen. Allein.
Wortwörtlich: mutterseelenallein.
Da schnürt es einem doch die Kehle zu!

Und auch, wenn Kinder beim Konsumieren dieser Filme es manchmal gar nicht so schrecklich finden, was sie sehen, wenn die liebe Mutter eben gestorben ist und durch die grausame Stiefmutter ersetzt wird, weil das im Märchen nun mal so ist, so fände ich es doch weitaus befriedigender, wenn die Mama bis zum Schluß durchhalten würde. Wenn sie auch noch eine Rolle spielen würde, vielleicht ja sogar eine kleine Heldin wäre, weil Mütter das gemeinhin sind.

Kinderfilme sind nicht immer etwas für Kinder!

Deswegen sind Kinderfilme, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht immer etwas für Kinder. Fest steht, dass Kinder irgendwann vom Ernst des Lebens erfahren müssen, dass man sie nicht immer beschützen kann. Und ja, auch Märchen gehören irgendwie zur Allgemeinbildung. Meine Tochter hatte eine lange Elsa-Phase, in der nie thematisiert wurde, dass die Königseltern untergegangen waren. Kinder sehen die Welt noch mit anderen Augen.

Heldin, gute Fee.

Gut ist, wenn man eine Mutter hat.
Heute ist Muttertag.
Und ich wünsche allen Mamas da draußen einen wundervollen Tag, mit Blumen oder Regenbögen, mit Pralinen oder ganz einfach mit viel wertvoller Zeit.

Denn eine Mama ist immer eine Heldin, eine gute Fee, ein zauberhaftes Fabelwesen mit Superkräften.
In ihrem eigenen Film.

Flieg schnell zu deiner Mama, liebe Wolke!

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