Alleinerziehen, Mamasein

Hello Darkness my old Friend! Hallo Angst!

Ich habe Angst

Hallo liebe Wolke,
hast du manchmal Angst?
An alle, die sich bei Mimimi gern die Ohren zuhalten oder mit den Augen rollen: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um diesen Beitrag wegzuklicken und zu schließen. Etwas, übrigens, das ich im Moment auch gern hin und wieder mache; mir die Bettdecke über den Kopf zu ziehen. Denn ich habe Angst.

Alles nur eine Phase.

Seit einiger Zeit ist es ruhiger hier geworden, zumindest was meine persönlichen Beiträge und nicht Wilma Wochenwurm angeht. Das hat zum einen den Grund, dass in letzter Zeit nicht allzu viel übermäßig Spannendes passiert. Ich bin froh, dass wir die Trotzphasen und die Phasen im Allgemeinen, die Kinder so durchlaufen, vorerst ganz gut umschifft haben. Diese Phasen waren oft sehr anstrengend, diese Phasen der Schlaflosigkeit und die Phasen der Krankheiten und die Phasen der Entwicklungssprünge und die Phasen, in denen hier alles drunter und drüber ging, haben mich ermüdet. Jede Mama kennt das, ich bin da keine Ausnahme und mache mich auch zu keiner, bloß weil ich alleinerziehend bin.

Immer dasselbe…

Zum einen hat das Ruhigersein also den Grund, dass hier im Moment nichts übermäßig Spannendes passiert, von dem ich dir berichten könnte, liebe Wolke. Und, ganz ehrlich und ohne doof sein zu wollen: Ich könnte dieselben Geschichten immer wieder mit anderen Worten erzählen, wie ich es oft im Netz lese, aber dann frage ich mich, warum ich das tun sollte. Mir geht es schließlich nicht darum, noch mehr „Follower“ zu erjagen, ich bin dankbar für diejenigen, die sich hierher verlaufen haben – und bleiben. Sie sind ein Teil meines Lebens geworden und dass mir so etwas Schönes passiert, damit hätte ich nie gerechnet.

Der glücklichste Mensch der Welt.

Zum anderen hat das Ruhigersein noch einen anderen Grund. Ich habe mich durch 2018 gequält, habe versucht, ein bisschen mehr für mich selbst da zu sein, was mir manchmal ganz gut – und dann wieder nicht so gut gelungen ist. In 2018 sind unfassbar tolle Dinge passiert, von denen ich dir bald erzählen werden kann. Eigentlich müssten mich diese tollen Dinge durch die Tage und Wochen schweben lassen. Eigentlich müsste ich der glücklichste Mensch dieser Welt sein. Aber dann passieren wieder andere Dinge, die das Glück ein Stückchen aufheben und subtrahieren, wenn man nicht gut aufpasst.

Hintergrundrauschen.

Es gibt das dieses melancholische Rauschen in mir. Das habe ich schon immer, eigentlich mag ich es. Ich mag es, zu spüren, wie Gefühle durch mich gepumpt werden und wie ich die Welt sehe und dass ich nicht immer frohlockend durch die Gegend hüpfe, sondern manchmal ernst mit mir bin. So wurde ich wahrscheinlich zur Welt gebracht, das bin ich, und mittlerweile mag ich mich. Was ja viel wert sein kann.

Wenn dieses melancholische Rauschen allerdings sehr laut wird, und ich kenne das, ich habe mit dem lauten Rauschen vor zehn Jahren bereits Bekanntschaft geschlossen, dann wird es ungemütlich. Dann fängt es tief unten in meinem Magen an zu kribbeln und zu ziehen, dass ich anfange zu schwitzen und dann sagt mir jemand „Hallo!“, den ich nicht begrüßen möchte: Die Angst, die die Panik an der Hand hält.

Der ungebetene Gast.

„Geh weg!“, sage ich dann. Aber die Angst denkt nicht daran. Und je mehr ich versuche, sie zu verscheuchen, desto größer wird sie. Man kann nicht über alles Kontrolle haben, aber ich versuche es. Ich versuche es dann so sehr, dass sich alles in mir verkrampft und ich anfange, an der Supermarktkasse zu zittern, weil ich nur noch weglaufen möchte. Vor der Angst. Mein Herz rast dann und ich denke daran, dass ich für mein kleines Leben jemand sein möchte, der furchtlos ist und die Aufgaben dieser Welt mit links und einem Fingerschnipp meistert. Dann klopft auch noch die Verantwortung an und da stehen sie nun, die Angst und die Verantwortung und die Aufgaben und alles, was zu erledigen ist und ich möchte nur noch auf einen Arm, der mich ganz lange festhält und sagt, dass alles in Ordnung ist. Dass ich mich nicht zu Fürchten brauche.

Vielleicht kennt das jemand. Vielleicht auch nicht. Manchmal denke ich, das kennt niemand, das wünsche ich auch keinem, weil es blöd ist. Und die Lebensqualität leidet dabei, dass sie stöhnen muss. Sich einzugestehen, dass jemand zu Besuch ist, den man nicht eingeladen hat, ist nicht so einfach. Denn man muss und möchte doch stark sein, für sich und vor allem für sein Kind.

Liebe kann das.

Das Ruhigersein hat damit zu tun, dass nichts übermäßig Spannendes passiert. Und es hat eine Menge damit zu tun, dass sich die Angst in mir aufgebläht hat. Wie ein Fesselballon. Also arbeite ich nun daran, die Angst wieder auszuladen. Einen ungebetenen Gast loszuwerden ist ein bisschen unangenehm, aber es wird. Eigentlich wollte ich dir, liebe Wolke, gar nicht davon erzählen. Weil ich auch davor Angst habe. Weil ich Angst habe, das könnte mir zum Nachteil werden und man könnte denken, ich würde für mein kleines Leben nicht mehr so sorgen können, wie eine Mama es können muss. Aber das stimmt nicht. Immer nämlich, wenn ich mit meiner Tochter zusammen bin, wenn wir lachen und spielen, wenn wir streiten und wenn ich schimpfen muss, wenn sie sich an mich kuschelt und wir unter der großen Wolldecke auf unserem Sofa sitzen und ich ihr sage, wie lieb ich sie habe, dann ist von der Angst nichts zu sehen. Liebe verscheucht die Angst. Liebe kann das.

Wird schon wieder.

Und deshalb: Wenn das laute Rauschen kommt, dann decke ich mich zu mit dieser Liebe und weiß, es wird auch wieder besser. Es wird auch deswegen besser, weil ich mittlerweile eingesehen habe, dass ich nicht alles alleine schaffen können muss, sondern dass es manchmal besser ist, sich professionelle Hilfe zu suchen. Also weiß ich, dass die Angst bald Geschichte sein wird und es nur noch dieses kleine, melancholische Rauschen in mir geben wird, das ich ganz gerne mag.

Bis dahin, sei mir nicht böse, meine Wolke, wenn ich nichts Neues zu erzählen habe. Ruhiger zu sein ist manchmal nicht so schlimm, auch wenn es in unserer Zeit, besonders im Social Media, anders scheint.

Pass gut auf dich auf, meine liebe Wolke, denn das ist sehr wichtig!

Deine Susanne

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