Gänseblümchenglitzern

Hallo liebe Wolke,
wirst du auch manchmal sentimental?

Neulich, als mein kleines Leben noch ganz klein war, ging ich spazieren.
Mit meinem Vater ging ich spazieren durch Kleingartenanlagen, durch einen Park, auf Trampelpfaden, die noch immer genau dort sind, wo ich sie erinnerte.

Seitdem ich denken kann, führen sie auf einen Hügel und wieder hinab, vorbei an einer Birke. Die Trampelpfade sind dort, seit dem Tag als ich das erste Mal bewusst die Hand meines Vaters wahrnahm, die mich als kleines Mädchen sicher führte.
Warm war sie, die Hand.
Und groß.
Ich hätte mich in ihr verstecken können.

Heute ist meine eigene Hand groß.
Mein Vater führt mich nicht mehr, den Pfad besteige ich allein und meine Hand hält nun mein kleines Leben fest.
Genau so wie vor vielen Jahren, als ich ein Kind und meine Hand klein waren, setzten wir uns auf eine Parkbank, ganz nah an der versteckten Birke, und wir bewunderten die Mächtigkeit der Bäume, die mit uns gewachsen und gealtert waren.
Über die Jahrzehnte.

Ein schöner Tag war das neulich, der Wind rauschte durch das buntgrüne Blättermeer. Die Sonne glitzerte auf Gänseblümchen. Und obwohl helllichter Tag war, die Stadt nicht weit entfernt, so war es ruhig.
Nur ein Windblätterrauschen und ein Gänseblümchenglitzern.

Meine Hand hielt mein Vater in seiner und ich hätte mich in ihr verstecken können. Noch immer.

Wenn man sich an Trampelpfade erinnern kann, ist es einfach, satt zu sein.
Vielleicht wird sich mein kleines Leben auch irgendwann an das Gänseblümchenglitzern erinnern können.
Und an das Windblätterrauschen.
Noch mehr wünsche ich mir, mein kleines Leben wird sich eines Tages an meine große Hand erinnern können, in der sie sich für immer verstecken darf.

Ein zufriedenes Wochenende für dich, liebe Wolke!


 

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