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Die Wahrheit über mein Leben.

Hallo liebe Wolke,
kennst du etwas, das schräg ist?
Ja, ich weiß: mich. Ich spreche manchmal mit Wolken. Also mit dir.
Das ist vermutlich wirklich ein bisschen schräg, kindisch und albern. Aber so ist mein Leben. Übrigens immer schon gewesen. Und deswegen erzähle ich dir heute die Wahrheit über mich.

Die Wahrheit über:

Mein kleines Leben, Familie & Freunde

Meine Freunde sind allesamt entweder depressiv, chronisch erschöpft, Künstler (oder wären es gern), oder alles zusammen, und sehr liebenswert. Einige habe ich über Monate nicht gesehen, aber ich liebe sie trotzdem. Neuerdings bin ich übrigens mit der Ex-Frau meines Ex-Freundes befreundet, jedenfalls ein wenig. Das konnte ich mir früher ja nie vorstellen, dass so etwas geht. Die Insiderinformationen sind jedenfalls sehr wertvoll und helfen auch beim schlimmsten Liebeskummer. (Kleine Empfehlung von mir, falls du mal in eine ähnliche Situation kommen solltest, liebe Wolke.)

Mein kleines Leben ist ein bisschen anders als andere Kleinkinder, an manchen Tagen ist sie auch ein bisschen mehr anders als andere Kinder, und ich liebe sie mit jeder Faser, jedem Atemzug mehr. Das ist ganz schön erstaunlich, das glaubt man nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Mein Bruder hat seit Neuestem eine blinde und taube Second Hand-Katze, die immer Hunger hat, was ich ganz drollig finde. Außerdem gehört er, also mein Bruder, nicht die körperlich behinderte Katze, in die Kategorie der Künstler. Eine brotlose Kunst, leider, aber mit dem Schreiben verhält es sich ja nicht anders. Liegt wohl in der Familie.

Fleckenteufel & ich

Ich selbst wurde im Jahr 2009 unfreiwillig zur Romanheldin, weil Heinz Strunk zufällig der Protagonistin seines Buchs „Fleckenteufel“ meinen Namen gegeben hat. Susanne Bohne. (Ja, unglaublich, aber wahr.) Ich bekomme bis heute Fanpost von Anhängern des Fleckenteufels oder von Heinz Strunk, was ja im Grunde dasselbe ist, die meist ziemlich anzüglich ist. An den Bucheinnahmen wurde ich allerdings nicht beteiligt.

Als ich noch kinderlos war, nahm ich auf all meine Reisen ein kleines Stoffschwein namens Rosalinde mit, und habe mich mit ihr unterhalten, wenn ich allein im Flugzeug saß. Hat ungemein gegen Flugangst geholfen.
Ansonsten frage ich mich, ob meine Ally McBeal-Gedanken, die ich manchmal habe, noch im Bereich des Normalen angesiedelt sind, oder ob ich mir nicht ohne Grund meine Freunde nach oben genannten Kriterien ausgesucht habe.

Nachbarschaft & Haustiere

Nebenan wohnt eine Frau, die mit ihrem Rollator grundsätzlich nur bei Regen spazieren geht und deren Haare aussehen, als würde sie sie jeden Morgen großzügig mit Pflanzenfett einschmieren. Sieht aus wie eine mausgraue Badekappe. Ungefähr. Wahrscheinlich, damit das Regenwasser besser abperlt. Die Frau fragt mich ständig, ob in meiner Wohnung auch öfter mal Dinge fehlen, wenn ich spazieren war. Zur Zeit vermisst sie ein Kaffeeservice. Ein Glück stehen bei mir momentan noch alle Tassen im Schrank.
Schräg gegenüber wohnt ein Mann um die Fünfzig, der immer, zu jeder Jahreszeit, sein Schlafzimmerfenster weit geöffnet hat und mindestens einmal am Tag sehr lautstark ein Lied aufdreht, das ich bereits mitsingen kann, und das „Gruppensex im Altersheim“ heißt.

Letztes Jahr beherbergte ich eine Kreuzsspinne namens Uschi auf meinem Balkon. Irgendwann im Spätherbst letzten Jahres hat sie ihre Sachen gepackt und mich verlassen. Darüber war ich ganz schön traurig, denn sie gehörte doch schon fast zur Familie. Irgendwie scheint es mein Schicksal zu sein, verlassen zu werden.

Kindergarten & Krankheiten

Der Erzieher im Kindergarten meines kleinen Lebens, der aussieht als hätte er die letzten vierzig Jahre in einer Holzhütte in den Alpen verbracht und der ausnahmslos immer ohne Socken in Sandalen unterwegs ist, verwickelt mich jeden Morgen in ein längeres Gespräch über irgendwas. Warum weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass seine Lieblingswörter „kognitiv“ und „schwarzer Labradorwelpe“ sind, und dass mir so wertvolle kinderfreie Zeit flöten geht, was mich etwas ungeduldig macht.
Währenddessen trägt seine Kollegin Hard Rock Café T-Shirts und ist, glaube ich, mindestens die Halbschwester von Katy Karrenbauer „Walter“ aus dem „RTL-Frauenknast“. Hinter KiTa-Gittern.
Ich persönlich habe ein bisschen Angst vor ihr. Die Kinder nicht so.
Momentan gibt’s im Kindergarten Streptokokken, Magen-Darm und Kopfläuse gratis. Da kann man wirklich nicht meckern.

Ex-Freunde & ich

Mein aktuellster Ex-Freund hat all seinen Ex-Frauen und -Freundinnen aus dem Buch „ Der kleine Drache Hab-mich-lieb“ vorgelesen – oder zumindest zitiert, um mit Romantik zu punkten (Stichwort: Insiderinformation, s.o.). Ich persönlich finde das ein wenig einfallslos.

Der Ex-Freund, mit dem ich elf Jahre mein Leben geteilt habe, war Schlagzeuger und ständig mit seinen Hobby-Bands auf Tour, so dass ich die effektive Zeit, die wir miteinander verbracht haben, auf ca. 8 Monate schätze. Die Hälfte der acht Monate hat er in seinem Homerecordingstudio im Dachzimmer unseres Einfamilienhauses gewerkelt und mir einen Hund gekauft, damit ich nicht so alleine bin.
Ein anderer Ex-Freund war im örtlichen Angelverein aktiv, sprach einen rheinländischen Dialekt, den ich nie verstanden habe, hat Autos zusammengeschraubt und hätte dabei beinahe sein Heimatdörfchen niedergebrannt, weil die Montageanleitung für den Oldtimer-Porsche nicht stimmte. Zum Glück ist seinem Auto nichts passiert. Ein Wohnhaus mit Garage lässt sich ja relativ leicht wieder aufbauen. Er ist heute glücklich verheiratet.

Huch, liebe Wolke, jetzt habe ich schon wieder viel mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte. Dabei gäbe es noch eine Menge Wahrheiten zu berichten, warum mein Leben schräg ist.

Danke fürs Zuhören, meine Wolke!


 

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