Lerngeschichten

Der Drache mit dem Drachen. Eine Geschichte für Kinder zur Stärkung des Selbstvertrauens.

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Der Drache mit dem Drachen – eine Geschichte für Kinder.

An einem Herbsttag ging ein kleiner, gelber Drache mit lilafarbenen Flügeln und grünem Bauch spazieren und machte ein trauriges Gesicht. Der Drache hieß Paul. Eigentlich ging Paul gern in den Drachenkindergarten. Seit einiger Zeit aber, flogen seine Freunde im Drachenkindergarten alle schon. Nur Paul nicht. Paul bekam es einfach nicht hin, wie das mit dem Fliegen und dem Flügelschlagen und dem Durch-die-Luft-Sausen gehen sollte. Er würde das Fliegen wahrscheinlich nie lernen, dachte er. Und das machte ihn sehr traurig, denn ein Drache muss fliegen können, um ein richtiger Drache zu sein. Paul dachte: „Ich bin wohl kein richtiger Drache.“, und dann wurde er noch trauriger.

Der Drache mit dem Drachen_Kinderbuch_Selbstvertrauen_Selbstglaube_Selbstbewusstsein_Fliegen_Herbst_Kita_Kindergarten_Projekt_Idee_Märchen_vorlesenMissmutig kickte er die Steine auf der Wiese in die Luft.

„Selbst die Steine können fliegen.“, sagte Paul zu sich selbst. Sein Herz wurde schwer und er hatte keine Lust mehr, das Fliegen zu üben. Dabei hatte Mama Drache ihm gesagt, dass man es nur immer wieder probieren müsse. Dann würde es eines Tages von ganz alleine gehen. Und Paul hatte es wirklich probiert. Aber sobald er nur ein kleines Stückchen vom Boden abhob, wurde ihm schwindelig und er bekam ein bisschen Angst.

Das sagte er aber niemandem, denn er schämte sich ein wenig dafür, weil Drachen doch immer mutig und stark sein müssen. So hatte es Paul jedenfalls gehört, tausend Geschichten handelten von Drachen – und die hatten alle keine Angst. Und alle konnten fliegen.

Nur der kleine Drache Paul eben nicht.

Paul schlurfte über die Wiese und fragte sich, was er denn sonst sein könnte, wenn er schon kein richtiger Drache wäre. Vielleicht eine Eidechse? Oder eine Schildkröte? Aber Paul wollte so gern ein richtiger Drache sein, dass ihm nichts gefiel, was er sich überlegte.

Plötzlich flog etwas am Himmel entlang, das ganz bunt war und einen langen Schwanz mit Schleifen hatte. Paul staunte nicht schlecht, wie gut dieses Ding im Herbstwind fliegen konnte! Es drehte sogar Loopings, sauste wild hin und her und blieb dann eine Weile flatternd am Himmel stehen, bevor es wieder ein waghalsiges Manöver flog. Das musste ein sehr außergewöhnlicher Drache sein, dachte Paul, und er war so fasziniert von dem Ding, das da am Himmel herumsauste, dass er seine Traurigkeit ganz vergaß.

„Hallo!“, rief Paul in den Himmel, und hoffte, dass das Ding ihn auch hörte.
Sofort kam das Ding in Windeseile zu Paul gesegelt, setzte sich vor ihn auf die Wiese und lächelte: „Hallo! Ich bin der Drachen Jonah. Und wer bist du?“
„Ohhh“, sagte Paul „das habe ich mir schon gedacht, dass du ein toller Drache sein musst! Du kannst so, so spitzenmäßig fliegen! Ich bin übrigens Paul… und ich bin kein richtiger Drache.“

Der Drachen Jonah lachte.

„Nein? Du bist kein richtiger Drache? Was bist du denn sonst?“, fragte Jonah.
„Das weiß ich auch nicht.“, antwortete Paul. „Fliegen kann ich jedenfalls nicht, weil ich nämlich Angst davor habe, und deswegen kann ich gar kein richtiger Drache sein!“

Paul schlug sich die Hand vor seinen Drachenmund, denn jetzt hatte er ja aus Versehen verraten, dass er Angst vor dem Fliegen hatte.
Aber Jonah sagte nur: „Also für mich siehst du wie ein richtiger, echter Drache aus. Du hast spitze Drachenzähne, Stacheln auf dem Rücken, einen Schwanz – und Flügel hast du auch. Und soll ich dir etwas verraten? Ich hatte früher auch Angst vor dem Fliegen!“
Paul konnte es nicht glauben und er machte große Drachenaugen: „Was? Du hattest Angst? Das glaube ich nicht!“
„Aber ja!“, antwortete Jonah. „Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Denn man kann ja fast gar nicht glauben, dass einen die Luft und der Wind tragen können. Weil man sie nicht sehen kann.“

„Ja, genau!“, sagte Paul und war so froh, dass Jonah ihn und seine Angst verstehen konnte.
„Ich verrate dir das allergrößte Drachengeheimnis, lieber Paul“, sagte Jonah lächelnd. „Du musst nur daran glauben, dass dich deine Flügel sicher durch den Himmel tragen. Schließlich sind sie festgewachsen und deine sind toll lila. Außerdem sind sie viel stärker als du vielleicht denkst. Schlag doch mal ganz kräftig mit deinen Flügeln!“

Und Paul schlug kräftig mit den Flügeln und machte so einen Wind dabei, dass Jonah fast fortgeweht worden wäre.
Jonah lachte und sagte: „Siehst du!“

Paul fühlte, wie stark seine Flügel waren. Und ein bisschen fühlte er auch, dass sein Herz mutiger wurde.

„Sollen wir ein kleines Stück zusammen fliegen?“, fragte Jonah. „Du darfst dich auch an meinem Schwanz festhalten, wenn du möchtest. Ich glaube, dass deine Flügel stark genug fürs Fliegen sind! Und wenn du auch daran glaubst, kann nichts mehr schief gehen!“ 

Paul traute sich und glaubte daran, dass ihn seine Flügel in den Himmel tragen würden. Schließlich waren sie sehr stark. Paul und Jonah hoben ab. Der kleine Drache Paul hielt sich gut an seinem Drachen Jonah fest und er schlug kräftig mit den Flügeln. Plötzlich wurde es ihm gar nicht mehr schwindelig, er spürte den Wind, der ihn an der Nasenspitze kitzelte. Und es war ein tolles Gefühl, daran zu glauben, dass seine Flügel ihn trugen. Wohin auch immer er wollte.

Dann ließ Paul Jonah los und er flog ganz allein einen großen Bogen über den Himmel.

Ja, Paul war ein richtig echter Drache. Und nichts anderes!

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