Alle Artikel in: Alleinerziehen

Über Schlaubischlümpfe. (Oder: Sagt mal, wo kommt ihr denn her?)

Hallo liebe Wolke, weißt du, was ich beachtlich finde? Früher, wenn ich wusste, die Kopfschmerzen werden blöd, hab ich mich hingelegt. Falls ich Gelegenheit hatte. Früher hab ich mich manchmal einfach ins Auto gesetzt, drehte die Musik auf, fuhr drauflos und sobald ich wieder Zuhause ankam, war meine schlechte Laune verschwunden. Ab und zu bin ich ins Museum gegangen, einfach so, weil ich Lust dazu hatte, bin nach Wien, Hamburg, Barcelona oder Recklinghausen gefahren, ohne groß zu planen und mir überlegen zu müssen, was man für einen Ausflug dringend benötigt. Heute geht das ja alles nicht mehr so easypeasy. Jedenfalls für mich nicht. Andere schnallen sich ihr Kleinkind auf den Rücken und reisen um die Welt, besuchen täglich einen anderen Kinderkurs, gehen Vollzeit arbeiten, kümmern sich um die kranke Großmutter, lassen den Thermomix heißlaufen – und machen danach noch ein Workout. Auch das finde ich beachtlich und nein, ich schaffe das nicht. Auch, weil am Ende der Kraft nicht mehr viel übrig bleibt. Aber weißt du, was ich noch beachtlicher als all das finde? Schlaubischlümpfe. …

Vorsicht! Hass!

Hallo liebe Wolke, der Vollmond ist toll, oder? Ich würde gerne wissen, ob du eine von den Wolken bist, die gerade durch das silberne Mondlicht fliegen und dann wieder im Nachthimmel verschwinden. Schön sieht das aus. Es ist gut, wenn man das Schöne erkennen kann. Immer und in jeder Situation. Das ist eine Gabe, die sollte man sich gut aufbewahren. In einem Schatzkästchen mit Muscheln drauf und rotem Samteinschlag. Zum Beispiel. Muschelschatzkästchen Ich bin froh, dass die Feiertage vorbei sind. Obwohl sie wirklich viel schöner waren, als ich vorher angenommen hatte, und ich wieder einige der schönen Erinnerungsdinge in mein Muschelschatzkästchen legen konnte. Mein kleines Leben steckte mich mit ihrer Weihnachtsaufregung an – und das war herrlich. Irgendwann glaubte ich selbst fast, das Christkind am Himmel gesehen zu haben. Ist das nicht seltsam? Vielleicht gibt es das Christkind ja doch und wir haben seine Existenz im Laufe der Jahre einfach nur vergessen. Das kann nämlich passieren. Das mit dem Vergessen.  Friedlichkeit Mein kleines Leben aber; sie ist talentiert, was das Erinnern angeht. Am Silvesterabend konnte …

Das "So gut hätte ich es auch gerne mal!"-Syndrom (Oder: Ich bin alleinerziehender.)

Das „So gut hätte ich es auch gerne mal!“-Syndrom (Oder: Ich bin alleinerziehender.)

Hallo liebe Wolke, kannst du dir was vorstellen? Stell dir mal vor, also wirklich nur vorgestellt, es gäbe eine Frau mit einem ungefähr vierjährigen Kind. Eine Tochter. Eine ziemlich anstrengende Tochter, die selten schläft, die dafür einen so großen Dickkopf und Willen hat, dass die Frau manchmal denkt, ihre Tochter hat nicht ganz so viel von ihren Genen abbekommen. Außerdem denkt die Frau hin und wieder auch, dass für sie in so ziemlich allen Lebensbereichen der Zug abgefahren ist und sie ihm leise winkt. Mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Stell dir also diese Frau mit ihrer Tochter vor, die sich beide allein durchs Leben schlagen. Mal mehr und mal weniger erfolgreich. Und diese Frau hasst es, wenn sie ab und zu unter dem „So gut hätte ich es auch gerne mal!“-Syndrom leidet. Ein ekelhaftes Syndrom! Auch wenn es sich so anhört; aber es geht bei diesem blöden Syndrom nicht um Neid. Es geht auch nicht darum, sich eine Extrawurst auf dem Grill derjenigen zu braten, die es einfach schlecht leiden können, wenn …

Ein Leben als Volltrottel

Hallo liebe Wolke, kennst du den Film Idiocracy? Ich habe ihn vor Jahren gesehen und eigentlich kann ich mich an den Inhalt nur noch vage erinnern. Ungefähr ging es darum, dass in ein paar hundert Jahren die Menschheit komplett verblödet und dem Untergang geweiht ist. Ehrlich gesagt, kommt mir diese Zukunftsmusik gar nicht so weit entfernt vor. Und ich, ich bin vermutlich einer dieser komplett verblödeten Volltrottel, die es bereits heute schon gibt. Ein Jahr Es ist nun fast genau auf den Tag ein Jahr her, dass ich an einem Dezembervormittag in einer psychosomatischen Klinik saß, um ein Beratungsgespräch zu führen. Ich war nur zu Besuch, Gott sei Dank war ich das, denn ich finde Kliniken (egal welche) immer sehr unangenehm. Es war einigermaßen beklemmend, in einem Zimmerchen im Souterrain mit einem Psychiater, einem Psychologen und einem Patienten mit diagnostiziertem Dachschaden zu sitzen, um über meine Liebesbeziehung zu sprechen. Wie immer ging es nicht um mich. Ich war der Volltrottel, der statt seines Hirns seinem Herzen gefolgt war. In meinem Kopf fand nämlich gerade eine …

ist schon schwer

Ist schon schwer. Manchmal.

Hallo liebe Wolke, hast du Erinnerungen, die du nie wieder los wirst? Ich erinnere mich an Vieles. Manchmal ist es nicht gut, sich an viel erinnern zu können. Das spukt nämlich im Kopf herum wie kleine Halloweengeister, bloß dass sie auch an den restlichen Tagen des Jahres da sind. Mal mehr. Und mal weniger. Gar kein Problem? Als ich mit Madita schwanger war, da genoss ich jede Sekunde – auch wenn ich es an manchen Tagen grauenvoll fand, schwanger zu sein. Aber das ist eine andere Geschichte; ich genoss auch die grauenvollen Sekunden, weil ich mein kleines Leben in mir spürte und so unfassbar davon überzeugt war, dass ich das alles schon meistern würde. Ich würde mein Kind schon schaukeln. Gar kein Problem. Und es ist ja auch wahr, ich bekomme das hin, ich bin für mein kleines Leben da. Immer. Und für immer. Alles ist gut. „Es ist alles gut!“, war das Erste, das ich zu meinem kleinen Leben sagte, als es auf der Welt war. Und ich bin davon überzeugt, dass es das …

Depression

Depression, Esoterik und andere lustige Dinge. (Neues aus Bullerbü)

Hallo liebe Wolke, glaubst du an Esoterik, Schamanismus und so was? Ich, zugegeben, gar nicht. Ich glaube nur in einem einzigen (allereinzigen) Ausnahmefall daran, der zu meinen engen Freundinnen zählt. Ansonsten ist mir diese Hexerei einigermaßen suspekt. Schulmedizin Gestern habe ich mit einer Schulmedizinerin gesprochen. Weil zur Abwechslung ich dort einen Termin hatte. Mein kleines Leben, Verzeihung: Madita, ist ja ständig krank (Kindergarten lässt grüßen) und verfällt mittlerweile beim Anblick der Antibiotika-Flasche in Zustände der absoluten Horrorpanik und ich muss mich wie Hulk Hogan auf sie werfen, um ihr den Saft zu verabreichen. Macht tierisch Spaß. Beiden Seiten. Depression? Jedenfalls: Ob man bei Schulmedizinern immer an die richtige Adresse gerät; das sei mal dahingestellt. Aber diese Frau Doktor hat mir etwas gesagt, das mich den ganzen Tag beschäftigte: „Manche Kinder sind auch (im Sinne von „nicht nur“) deswegen so unglaublich anstrengend, weil sie die Mutter so vor einer Depression bewahren. Denn die Mutter hat vor permanenter Auslastung gar keine Zeit eine Depression zu entwickeln.“ Na hervorragend. Da haben wir das Thema „Depression“ wieder. Und ich …

Die Götter hassen mich. (Oder: She works hard for the money)

Hallo liebe Wolke, wie geht’s dir so? Eine Woche liegt nun hinter mir, von der ich bereits am Montagmorgen dachte, ich würde sie wahrscheinlich nicht überleben. Nun gut, man darf sich irren, es ist Freitagabend, ich lebe noch. Noch. Montag, 5.30 Uhr Mein Wecker klingelt und es kommt mir vor, als würde mich eine Fanfare aus dem Bett scheuchen. Dass ich häufig unsanft geweckt werde, ist ja nun nichts Neues, aber ich hatte die Handylautstärke bis zum Anschlag aufgedreht, volle Pulle, damit ich auch ja nicht verschlafe. Es war schließlich mein erster Arbeitstag. Von Herzrasen benommen torkle ich ins Bad, sehe eine Neuauflage von „Der Herr der Ringe“ im Spiegel (und ich meine NICHT die Elben!), und suche krampfhaft den Concealer, mit dem ich mir beinahe die Zähne geputzt hätte. Und während ich versuche das zu retten, was eventuell noch zu retten ist, steigt mir ein Geruch in die Nase. „Was, zum Teufel, ist das?“, denke ich und schaue unter das Waschbecken. Schaue in die Badewanne. Schaue ins Klo. Der Ork findet nichts außer drei …

du bist der Grund

Du. Du bist der Grund.

Drei Wochen Kindergartenferien sind vorbei, intensive Tage waren es; wieder 24 Stunden am Tag Mama sein. Ohne eine Pause, außer in den wenigen Stunden meines Schlafs in der Nacht. Morgen fängt ein neuer Lebensabschnitt an, für mich, morgen beginnt das neue Kindergartenjahr. Und dir, meine kleine M., möchte ich heute etwas sagen. Denn du, du bist der Grund. Du bist der Grund. Wofür, meine kleine M.? Du bist der Grund, warum ich mit dem Suchen aufhören konnte, weil ich dich gefunden habe. Und du mich. Manchmal glaube ich, du hast dir mich ausgesucht, weil ich dein Herz schon sehen konnte bevor es überhaupt schlug, weil ich von dir träumte. Du bist der Grund, warum ich jeden Tag so viele Gedanken denke, warum ich mir abends, bevor mir die Augen zufallen, all die schönen Dinge vorstelle, die wir schon miteinander erlebt haben. Und noch erleben werden. Du bist der Grund dafür, dass ich weiß, wie Liebe geht. Und bedingungsloses Vertrauen. Und Beschütztwerden. Und Beschütztsein. Du bist der Grund, warum ich der Wolke schreibe. Du bist der …

Zeugung

Ein Sesamkorn, das alles veränderte.

Hallo liebe Wolke, magst du Menschen, die lächeln? Gestern, da habe ich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben und bin ganz beseelt und glücklich nach Hause gefahren, drehte die Musik im Auto laut auf, weil ich das ganz gern mache, wenn ich mal nicht das „Ei-Ei-Ei-Eichhörnchenlied“, sondern was für die Großen hören darf. Vor mir tauchte irgendwann ein Müllauto auf, und ich konnte nicht überholen, ein Müllmann stand hinten auf einem dieser Trittbretter und sah aus wie Wolverine. Gut, es war eine Light-Version von Hugh Jackman, die hochgegelten Haare etwas schütter, der Bart ein bisschen zauselig, aber er lächelte mich an. Und es war ein nettes Lächeln, eins, das sagt: Du gefällst mir wie du da gerade in deinem Auto sitzt und laute Musik hörst. Und ich lächelte zurück. Dann bog das Müllauto um die nächste Ecke, der Müllmann winkte mir zu, ich winkte zurück, Wolverine verschwand und ich fuhr lächelnd die letzten Meter nach Hause. Es regnete in Strömen, heute auch noch, ich weiß nicht, aber irgendwie ist der Sommer auch nicht mehr das, was er mal …

Schubladendenken

Hallo liebe Wolke, hast du irgendwo eine Schublade? Ich frage, weil ich eine Schublade in meiner Küche habe, in der ich ganz viel Krimskrams sammle. Einmal im Jahr sortiere ich sie aus, dann geht sie auch wieder zu, und im Laufe der Zeit häufen sich dort erneut allerlei Kinkerlitzchen an, die ich nicht wegwerfen möchte, aber sonst nicht weiß, wohin damit. Ist es nicht ulkig, dass man auch Menschen in Schubladen sortiert? Hier die Schublade der Frohnaturen, da die Schublade der Egoisten, hier die der Rama-Familien und dort, ja dort, irgendwo, gibt es auch die Schublade der Alleinerziehenden. Da stecke ich drin. Sie ist ganz schön gut besucht, das kann ich dir sagen, liebe Wolke, und es werden stetig mehr, die hineingepfeffert werden. Man muss sich Alleinerziehende ja grundsätzlich als verbiesterte, depressive Burn out-Muttis vorstellen, die ausschließlich über ihre Ex-Männer schimpfen – selbstverständlich geht es da immer ums Geld, um den Umgang, um Beleidigungen – und die weinend darüber jammern, wie schwer sie es doch im Allgemeinen und im Speziellen haben. Ein illustres und fröhliches …